Eine dreiteilige Doku über den legendären deutschen Musik-TV-Sender VIVA (Foto: ARD Kultur/Florida Factual)
Eine dreiteilige Doku über den legendären deutschen Musik-TV-Sender VIVA (Foto: ARD Kultur/Florida Factual)

Würdiger TV-Rückblick : „Die VIVA-Story“, die ARD und ein paar verklärte Erinnerungen

Zum 30. Geburtstag des Senders bereitet ausgerechnet die ARD dem ehemaligen Musiksender den bislang würdigsten Abschied. „Die VIVA-Story - zu geil für diese Welt!“ ist etwas, was den Rechteinhabern von Viacom und Paramount Ende 2018 nicht gelungen ist. Und trotzdem gäbe es noch mehr Geschichten zu erzählen. Aber sollten sie das auch?

Mit „Die VIVA-Story – zu geil für diese Welt!“ hat die ARD ein Zeitzeugnis abgelegt, zu dem sich die letzten Markeninhaber von Viacom und Paramount nicht durchringen konnten. Als der deutsche Musiksender Ende 2018 eingestellt wurde, war von der einstigen Energie und Strahlkraft nicht mehr viel zu spüren. Es war ein unwürdiges Trauerspiel, wie eine der einst größten Talentschmieden der deutschen Medienlandschaft in den Ruhestand geschickt wurde.

Insofern kann man der ARD zunächst nur gratulieren, dass sie den Mut hatte, gemeinsam mit den Profis von Florida Factual VIVA knapp fünf Jahre später die würdige Retrospektive zu geben, die der Sender schon damals verdient hätte.

Licht und Schatten der ARD-Doku über VIVA

Natürlich könnte man hier und da auch meckern: Warum sitzt Dieter Gorny scheinbar in einem Museum, in dem sich im Hintergrund normale Besucher tummeln? Warum bleibt kein Ausschnitt von damals länger als 30 Sekunden stehen, bevor einer der viel zu vielen Interviewpartner ohne frische Bauchbinde (wer war das noch mal?) darüberquatscht?

Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass die alten Inhalte mehr Raum zum Wirken bekommen und auch mal eine Weile am Stück für sich stehen dürfen. Stattdessen hetzen die drei knapp 35-minütigen Folgen durch die Themen, als ginge der ARD-Mediathek bald die Sendezeit aus.

Alles in allem ein nostalgischer Rückblick auf VIVA

Trotzdem: Alles in allem enthält die dreiteilige Doku so viele Gesichter, Momente und Melodien, die vor allem in der letzten Folge so viele wohlige Erinnerungen an eine Zeit wecken, als viele der Zuschauer noch deutlich jünger, unbedarfter und doch irgendwie fasziniert von diesem bunten Medium und seinen Moderatoren waren.

Aber wie das so ist, jeder hat seinen eigenen Geschmack und seine eigenen Erinnerungen, und in der Tat habe ich in der dreiteiligen ARD-Dokumentation über VIVA einige Dinge vermisst, die vielleicht auch Stoff für eine Fortsetzung sein könnten.

Le Show – Sarah Kuttner, die Show

Über diese Sendung könnte man eine komplett eigene Doku machen. Dabei war ich lange Zeit war nicht einmal ein großer Fan von Sarah Kuttner und ihrem Moderationsstil. Dann bekam sie 2004 ihre eigene Late Night bei VIVA und ich war angefixt. Sehr sogar. Die Mischung aus Personality, Einspielern und Musik war so ein wohltuender Kontrast zu Stefan Raab und Harald Schmidt. Noch heute ist für mich der Sänger „Moneybrother“ einfach „Moneybernd“ und der Kirchensong „Aufstehen, aufeinander zugehen“ mit Sarahs Sidekick Sven Schumacher verbunden. Genauso legendär wie Sarahs Abschied in der letzten Sendung unter Tränen und mit Stinkefinger. Ich hab’s gefühlt.

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Frank Lämmermann

Wer über TV-Anarchie bei VIVA reden will, muss über Frank Lämmermann reden. Der aufgedrehte Typ mit der Turmfrisur, der sich aus Angst vor Studiogast Blümchen im Hochregal versteckt oder sich bei Einspielfilmen und Gags in Lachkrämpfe steigert, wenn er nicht mehr weiter weiß. Zwischendurch wirft er auf der Wiesn mit Pferdeäpfeln um sich. So verrückt und gerade deshalb schwer zu vergessen.

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Hape Kerkeling bei VIVA interaktiv

Kurz gesehen, aber nicht weiter beachtet: Hape Kerkelings legendärer Auftritt bei VIVA Interaktiv. Für seine Sendung „Darüber lacht die Welt“ hatte er sich 1999 als fiktive finnische Band R.I.P. Uli in die Sendung geschlichen, um über die Single „Helsinki is Hell“ zu sprechen. Mit massiven Provokationen, Unfreundlichkeit und Bier versuchten er und seine Bandkollegen dann, Moderatorin Milka aus der Fassung zu bringen. Was ihnen auch vortrefflich gelang.

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Sicherlich haben sich noch viele andere Momente ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Allein alles, was Stefan Raab damals für VIVA getan hat, könnte ganze Abende füllen. Es gäbe viel zu erzählen. Oder ist es doch an der Zeit, VIVA endlich in Frieden ruhen zu lassen?