Jan Böhmermann beim #Verafake (Screenshot: ZDFneo)
Jan Böhmermann beim #Verafake (Screenshot: ZDFneo)

Der #Verafake und die Nicht-Entscheidung einer Landesmedienanstalt

Jan Böhmermann und sein Team hatten Eier. Mit dem #Verafake haben sie öffentlichkeitswirksam die Machenschaften hinter den Kulissen von Schwiegertochter gesucht aufgedeckt. Nun war die zuständige Landesmedienanstalt an der Reihe darauf zu reagieren. Eine große Chance ihre eigene Relevanz ebenso öffentlichkeitswirksam zu Präsentieren und dem angeschlagenen Vertrauen in die Medien unter die Arme zu greifen. Doch stattdessen hat man eine große Chance vertan.

Die Landesmedienanstalten haben eine wichtige Kontrollfunktion in Deutschland. Finanziert vom Rundfunkbeitrag sind sie die Medienaufsicht für den privaten Rundfunk. Für Radio, Fernsehen und mittlerweile auch Online-Plattformen wie Youtube. Sie entscheiden über die Zulassung von Sendern, fördern die Medienvielfalt und sollen den Rundfunk kontrollieren. Werden die Werbezeiten eingehalten? Wie steht es um den Jugendschutz? Halten die Sender sich an Recht und Ordnung?

Doch genau in diesem Punkt hat die Niedersächsische Landesmedienanstelt (NLM), die für die Aufsicht des Fernsehsenders RTL zuständig ist, eine gänzlich schlechte Figur hinterlassen.
Wir erinnern uns: Das Team vom Neo Magazin Royale hatte einen Kandidaten bei der Sendung Schwiegertochter gesucht eingeschleust und aufgezeigt, unter welchen Umständen dort die Verträge zustande kommen und dass man es mit dem Geisteszustand der Kandidaten nicht immer ganz so genau nimmt.

RTL selbst hatte daraufhin Konsequenzen gezogen. Sich zu einem Statement durchgerungen und Fehler in der redaktionellen Sorgfaltspflicht eingestanden. Das Team von Warner Bros. International Television Production Deutschland, das die Sendung im Auftrag des Senders produzierte, wurde demnach ausgetauscht.

Ein Ergebnis ohne echtes Ergebnis

Nun war die NLM am Zug die Verträge und das Vorgehen intensiv zu prüfen und Konsequenzen draus zu ziehen. Doch irgendwie wirkt das – wieder einmal – für alle Außenstehenden ziemlich unbeholfen und unbefriedigend.
Angeblich habe man sich, gemeinsam mit RTL und der Produktionsfirma, also auf „Maßnahmen“ geeinigt, die ab der kommenden Staffel gelten sollen. Welche das nun genau sind, und warum sie es nicht wert sind auch der Öffentlichkeit bekannt zu sein, dazu wollte sich der NLM-Direktor Andreas Fischer allerdings gegenüber des Evangelischen Pressedienstes nicht äußern. Und auch ein offizielles Prüfverfahren gegen RTL wird demnach nicht eingereicht.

Und ich frage mich an dieser Stelle: Warum?

Der Konsument bleibt ahnungslos

Damit hätte man ein für alle Mal eine klare Position beziehen können. Mit einem klaren Statement und nachvollziehbaren Regeln. So aber wirkt es wie ein Geklüngel hinter verschlossenen Türen, das möglichst schnell totgeschwiegen werden soll.

Noch einmal für’s Protokoll: Die Landesmedienanstalten werden vom Geld aller finanziert, nämlich vom Rundfunkbeitrag. Sie sollen im Sinne der Zuschauer entscheiden. Was hier passiert ist, stärkt aber wieder einmal nur die Vorurteile über die elitären Medien, die am Ende sowieso machen können was sie wollen.

Jetzt kann da sicher etwas Gutes entschieden worden sein. Und auch RTL kann einen klaren Willen zur Besserung gezeigt haben. Nur werden wir es auf diese Weise nie erfahren. Und das kann nicht das Signal sein, dass am Ende beim Konsumenten ankommen soll, liebe NLM.

Nicht der erste Fauxpas

In den vergangenen Jahren haben die Landesmedienanstalten bei derlei Entscheidungen schon des Öfteren keine gute Figur gemacht. Bei den umstrittenen Call-In-Sendungen auf 9live & co. wurden viel zu spät neue Richtlinien erlassen. Lange nachdem die Einnahmen mit den Anrufen ihren Höhepunkt erreicht hatten. Bei der Merkur-Sonne auf den Sendern von ProsiebenSat.1 hat man nie eingegriffen, obwohl Werbung für Spielhallen im deutschen Fernsehen verboten ist. Und auch bei der Sendezeit für unabhängige Dritte hat man zuletzt keine gute Figur gemacht, wenn es um die Vergabekriterien ging.

Die Medien stecken in einer Vertrauenskrise. Genau das sollte man bei den Landesmedienanstalten am besten wissen. Das System durch derlei Gebaren dann aber auch noch zu schwächen, sägt am Ende nur am eigenen Ast. Verlieren die Menschen das Vertrauen in die Medien, sinkt auch der Wille immer mehr, dieses System zu unterstützen und ernst zu nehmen.
Und das wäre für niemanden wünschenswert.