TVLab 2015: Für eine Hand voll Zuschauer

23. November 2015 | 12:37 | fernsehen | 0 Kommentare
Das TVLab von ZDFneo (Logo: ZDF / Corporate Design)

Das TVLab von ZDFneo (Logo: ZDF / Corporate Design)

Wenn das Fernsehen nicht mehr weiter weiß, muss halt das Internet einspringen. Da sind schließlich die jungen Leute und die will man ja heute unbedingt erreichen. So auch beim diesjährigen TVLab auf ZDFneo. Nur, im Fernsehen gab’s davon kaum etwas zu sehen und auch im Netz wirken die Aktivitäten eher wie eine Randbemerkung. Nach der Flaute mit Serienideen im letzten Jahr, wirkt es fast wie ein letzter Abgesang, aber ein kleiner Lichtblick bleibt dann doch.

„Mutprobe – Für eine Hand voll …“, ja was eigentlich? So lautete das Motto des diesjährigen TVLabs. Großartig und süffisant präsentiert von William Cohn. Und eine Mutprobe ist das TVLab schließlich seit Beginn. Warum also das nicht auch einmal zum Thema machen?

Wo ist der Mut nur hin?

Naja, aber gerade das ZDF scheint dieses Jahr der Mut verlassen zu haben. So wenig wurde für das TVLab noch nie getrommelt, so kurz waren die Endprodukte noch nie und so günstig war es wohl auch noch nie – aber das ist nur meine Vermutung.

Dieses Jahr hat man alles auf die netzaffinen Teams gesetzt, die das Kind schon irgendwie schaukeln sollten. Schaut man sich aber allein die Twitter-Accounts der vier Teams an. Tritt schnell Ernüchterung ein. It’s a Lab sind die Einzigen, die es auf eine vierstellige Followerzahl geschafft haben und selbst bei der täglichen Zusammenfassung von Willam Cohn gab es am vierten Tag selbst für einenen kurzen Clip zu wenig zu berichten, weshalb man sich die Tweets schon ausdenken mussten.

Dabei ist es ja eigentlich cool, wenn man die Produktion mit Periscope, Twitter und Facebook begleitet, nur fehlte auch hier irgendwie der Elan, das auch hinreichend im Netz publik zu machen. Sowohl von Seiten des Senders, als auch der Teams. Oder fehlte es einfach am Interesse der Zuschauer?

Ein Youtuber allein, ist kein Erfolgskriterium

Dabei waren alle vier Projekte gespickt mit Schauspielern und Youtube-Nasen. Aber von deren Erfolgen sind die Abruf– und Abstimmzahlen weit entfernt. Auf Youtube haben die Clips nicht mehr als 4000 Views (Stand: 23.11.2015, 12 Uhr) und selbst wenn man bei dem merkwürdigen Abstimm-Modus von 1-5 Sternen pro Clip von durchschnittlich drei Sternen pro Nutzer ausgeht, haben maximal etwa 10.000 Personen abgestimmt … wahrscheinlich eher weniger.

Das Ergebnis des TVLab 2015 (Screenshot: Frank Krause / ZDFneo)

Das Ergebnis des TVLab 2015 (Screenshot: Frank Krause / ZDFneo)

Dass Team It’s a Lab vorzeitig absagen musste, weil es ausgerechnet in der Woche von #ParisAttacks das Thema Terrorismus thematisiert hat, war ein unglücklicher Zufall, aber ist bei all dem nur eine Randnotiz.
Die anderen Teams lieferten dafür Standardkost, die man so schon 100-mal gesehen hat. Bei den einen stirbt ein bekannter Youtuber und es werden mit dessen Leiche weiter Videos produziert, bei den anderen berät eine Psychologin ihre Patienten und am Ende stellt sich heraus, dass eigentlich sie die Patientin ist. Shutter Island lässt grüßen.

Verdienter Sieger

Wirklich überzeugt hat mich nur das Video vom Team Das Web ist nicht genug. Vordergründig dreht sich alles um eine Agentur, die Leuten beim Heiratsantrag (und anderen Problemen) hilft. Hintergründig geht es um die Beziehung der Hauptfiguren untereinander. Was eine wunderbare zweite Ebene in die Geschichte bringt und fast komplett ohne aufdringliche Gastauftritte von Schauspielern und Youtubern auskommt. Die Geschichte und die überraschende Wendung am Ende tragen die Story. Und das ist auch gut so. Einen anderen Sieger hätte ich mir nicht und kann ich mir auch nicht vorstellen. Und hier bin ich ganz froh, dass sich die Qualität und nicht ein Team mit der größten Stardichte durchgesetzt hat.

Zum Siegervideo von "Das Web ist nicht genug" (Screenshot: ZDFneo / Youtube)

Ob man aus diesem Projekt jetzt aber wirklich ersehen kann, ob dasselbe Team eine komplette Serie stämmen kann? Nun, das bleibt abzuwarten. Steht man hier doch noch einmal vor ganz anderen Herausforderungen, als bei einem Kurzfilm.

Abzuwarten bleibt auch, ob ZDFneo mit diesem gefühlten Abgesang auch das TVLab beerdigt und nächstes Jahr wenigstens konsequenter an den Ansatz herangeht, junge Talente, ihre Community und schnelle Produktionstechniken zu etablieren. Letztendlich ist das aktuelle TVLab nichts anderes, als das, was man ohnehin für das neue Jugendangebot plant. Nur unter prominenterem Namen und weit hinter dem TV-Event, welches das TVLab 2011 noch war.

 

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