Mein Verhältnis zu Stadtblogs

12. Januar 2015 | 01:19 | internet | 0 Kommentare

Lokalblogs in Leipzig (Foto: Frank Krause)Ganz ehrlich, ich möchte wissen, was in meiner Stadt passiert. Was sind die wichtigsten Ereignisse in Politik und Wirtschaft? Welche Konzerte sollte ich besuchen? Wie steht es um die lokalen Medien? Für die sieht es in letzter Zeit nämlich immer düsterer aus. Das hat verschiedene Ursachen – doch gerade deswegen wünsche ich mir für meine Heimatstadt – Leipzig – oft mehr Meinung und eine andere (unabhängige) Sicht auf die Dinge. Lokalblogs bieten sich hier an, verpassen aus meiner Sicht aber zu oft diese Chance.

Ich finde Blogs als Spielwiese richtig und wichtig, auch um seine eigenen Fähigkeiten zu testen, zu verfeinern und im besten Fall anderen damit eine Freude zu bereiten oder gar einen Mehrwert zu liefern. Davon gibt es einige in der Stadt und das ist auch gut so. Doch gerade in Stadtblogs möchte ich mehr Texte lesen, die über witzige Streetart, die Lieblings-Dönerbude und wo man am Wochenende tanzen war, hinausgehen. Keine Frage, das gehört auch dazu. Aber idealerweise ebenso echte Meinungen und fundierte Inhalte, abseits vom „Das find ich doof“-Gebashe (Citytunnel, LVB, RB Leipzig, …) und dem unreflektierten in den Himmel loben jedes noch so kleine Events.
Denn das ist es, was für mich gute Blogs ausmacht. Artikel mit Leidenschaft für ein Thema. Artikel, die auch mal länger sind als drei Absätze. Artikel, die ein Thema mit unterschiedlichen Fakten und weiterführenden Links anreichern. Ich erwarte keine 24/7-Newsseite, aber wünsche mir doch ab und zu einfach einen längeren Artikel mehr zu einem Herzensthema.

Lokale Infos – ja wo denn?

Berichte darüber wie das letzte Stadtteilfest lief, haben wir genug. Aber gerade in einer Zeit, in der es weder der lokalen Tageszeitung, noch dem größten Stadtmagazin finanziell (und zuweilen auch inhaltlich) wirklich gut geht, braucht es meiner Meinung nach einfach mehr Stimmen, um sich als Bürger ein besseres Gesamtbild zu machen. Und das fängt für mich bei den Blogs an.
Für den schnellen Überblick, aber vor allem wegen des grandiosen Podcasts, setze ich auf Heldenstadt, zum vertiefen oft auf die Beiträge von mephisto97.6 (auch wenn’s kein Blog ist) und vor allem Weltnest. Gerade bei Letzteren fühle ich mich (auch über kleine Themen) gut informiert. Oft etwas kontrovers, habe ich hier Lust mit zu diskutieren. Und das geht mir nicht bei vielen Seiten so.

Doch dann kommt – für mich – ziemlich lang nichts. Ab und zu mal ein Thema bei der LVZ gegenchecken, mal ein Artikel bei MDR INFO. Aber sonst? Entweder spricht mich die Themenwahl oder einfach die Schreibe nicht an. Im besten Fall ist die diesjährige Blogparade von Leipzig L(i)eben also ein Quell von Blogs, die ich bisher nicht kannte, im schlimmsten Fall bleibe ich eben bei Twitter als Quelle Nummer eins für lokale Themen. (Zumindest notestoherself ist schon einmal vorgemerkt.)

Ich frage mich, ob Leipzig einfach zu klein ist? Gibt es zu wenige Medien- und Meinungsmacher – oder sind sie einfach zu schlecht vernetzt? Passiert zu wenig in der Stadt? Ist das Stadtgeschehen für die Masse überhaupt interessant?

Ich weiß, dass das ein rein subjektiver Eindruck ist. Ich weiß, dass es auch noch andere lokale Medien, wie die Leipziger Internet Zeitung, Leipzig Fernsehen und ein paar Radiosender gibt. Aber ich fühle mich oft nicht ausreichend informiert oder habe zu wenig Bindung zu den Autoren. Seien es das Verhältnis zu Werbepartnern, die Aufmachung oder Aufbereitung der Themen.

Wo bleibt der Idealismus?

Das jüngste Projekt mit der Leipziger Zeitung eine neue Wochenzeitung zu etablieren zeigt mir, dass offenbar auch andere so denken. Und für gute und fundierte journalistische Arbeit würde ich auch Geld bezahlen. Egal ob Print, Online oder TV. Doch das ist noch einmal ein anderes Thema.

Bis sich da etwas tut, wünsche mir lieber noch viel mehr Medienmacher, die davon nicht leben müssen. Die auch nicht in Konkurrenz mit Vollzeitjournalisten treten, sondern die einfach schreiben, weil es ihnen Spaß macht. Die Begeisterung für ihre Stadt (oder ihren Stadtteil) zeigen. Die eigene Themen setzen.

Zu idealistisch? Vielleicht.
Machbar? Ich denke schon.

 

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