TVlab 2013: Mitten im Leben und Stromberg bei ZDFneo?

26. August 2013 | 02:16 | fernsehen | 0 Kommentare

Das TVlab auf ZDFneo (Foto: Frank Krause / ZDFneo)Sieben brandneue Sendungen innerhalb einer Woche auf demselben Sender? Ja, auch dieses Jahr findet auf ZDFneo – bereits zum dritten Mal – das TVlab statt. Viel Comedy und viel Doku-Stil scheinen dieses Jahr die Vorgaben gewesen zu sein. Anders lässt es sich für mich nicht erklären, dass neben Daft Punks „Get Lucky“ sich vor allem eine wacklige Kamera und der Versuch irgendwie witzig sein zu wollen in den Sendungen wiederfindet. Das muss nicht von vornherein etwas Schlechtes sein, doch irgendwie blieb mir nach der diesjährigen Runde ein fader Beigeschmack.

Die 2013 präsentierten Formate haben – für mich – alle etwas gemein: Sie sind kurzweilig. Alle Sendungen kann man schauen, ohne sich groß zu langweilen oder nach einem kurzen wegnicken keinen Anschluss mehr zu finden. Ein ums andere Mal musste ich sogar schmunzeln. Einzig ein echtes Must-See, eine Sendung mit ein paar Ecken und Kanten, etwas das wirklich Lust macht, wöchentlich dafür einzuschalten, war dieses Jahr für mich einfach nicht dabei. Das ist schade. Hatte ich letztes Jahr noch bemängelt, dass neue Ideen fehlten, ist es dieses Jahr schlicht die mangelnde stilistische Vielfalt. So gab es die letzten Jahre von Show, Serie, Magazin über einen Cartoon, bis hin zu zahlreichen Doku-Formaten immer eine recht große Spannweite. Die diesjährigen Versuche sind in ihrer Machart alle recht ähnlich. Der Doku-Stil dominiert ganz klar, sei es aus Kostengründen oder weil es gerade „modern“ ist. Denn hochwertig sehen, dank DSLRs, fast alle Produktionen aus. Doch auch inhaltlich bleibt kaum eine der Hauptfiguren dauerhaft (und positiv) in Erinnerung und es wird vorwiegend auf Witz und den kurzen Lacher zwischendurch gesetzt.

About Men

Dabei ist die erste Sendung – About Men – auf den ersten Blick gar nicht mal schlecht. Alles ist sehr filmisch gehalten, während „Hauptdarsteller“ Milton Welsh erst aus den Off, dann in direkter Ansprache zum Zuschauer kommentiert. Man(n) soll sich fühlen wie ein Kumpel, der mit ihm einen Tag verbringt. Das gelingt auf den ersten Blick auch ganz gut, doch immer, wenn es auf echte Inhalte ankommt, ein Interview geführt wird oder ein kurzer Einspieler kommt, bleibt man – anders als etwa im stilistisch ähnlichen Format Bambule – als Zuschauer in der Filmwelt und nimmt das Gesagte einfach nicht ernst. Am schlimmsten daran ist vor allem die grauenhafte Art, wie Milton Welsh Interviews führt. Statt sein Gegenüber frei sprechen zu lassen, kommt eine Suggestivfrage nach der anderen, etwa wenn er Roland Mary, den Besitzer des Promi-Restaurants „Borchadt“, fragt: „Du hast ja ein ganz verrücktes Leben hinter dir, ein ganz wildes Leben, du warst KFZ-Mechaniker.“, und dieser verständlicher Weise nur antworten kann: „Ja, wenn KFZ-Mechaniker wild ist, dann hatte ich ein wildes Leben.“

Später kommt es dann noch zu einem Zusammentreffen mit seinem Kumpel Mr. Man, was mitten in die Sendung zu einer mehrminütige Schießerei führt. Warum? Wahrscheinlich um die Filmdramaturgie zu erfüllen. Da wundert es dann auch nicht mehr, dass sich Milton ständig mit Fotos von Roger Moore unterhält.

Die Sendung soll offenbar eine Art gelebtes Herrenmagazin sein, doch wie beim Vorbild, bleiben am Ende doch nur die schönen Bilder.

Niemand hat die Absicht, …

Die Mockumentary Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen erinnert auf den ersten Blick stark an eine überzeichnete Version von Stromberg. Es gibt einen etwas rassistischen, vor der Kamera stets gelassenen und eigentlich planlosen Chef … nur dass dieser schwarz ist und im Rollstuhl sitzt. Dieser wurde vom Leiter der Flughafen AG eingesetzt, um mit seinem Team – innerhalb von 48 Stunden – die große Eröffnung vorzubereiten. Dass es noch 20.000 Mängel gibt, aber dieses Team nur aus drei Leuten besteht, macht hier den Witz der Sendung aus.

Dadurch, dass man sich auf so ein kleines Ensemble konzentriert, können sich auch die Charaktere schnell entwickeln. Vor allem das Stromberg-Pendant, der „Head of ground staff“ Fritz Abasi und der etwas geltungsbedürftige und neurotische „Head of Security“ Dr. phil. Jacob Buck haben für mich die Sendung getragen und zu der ein oder anderen überraschenden Wendung geführt. Und tatsächlich ist dies auch eines der besseren Formte in diesem Jahr.

Mich persönlich stören an dieser Stelle nur das Setting (ich bin der Thematik Berliner Flughafen schon reichlich überdrüssig), sowie der etwas langsame Einstieg. Aber sollte eines der Formate fortgesetzt werden, wäre dies mein klarer Favorit.

Diese Kaminskis

Diese Kaminskis - Wir legen Sie tiefer! (Foto: ZDF / Vincent Dewill)

Ein weiterer Favorit von mir ist die Doku-Sitcom Diese Kaminskis. Schaltet man diese Sendung ein, meint man im ersten Augenblick im RTL-Nachmittag gelandet zu sein. Die Musikauswahl, die Schnitte, ja sogar der Sprecher aus dem Off bilden eins zu eins das ab, was man alltäglich im nachmittäglichen Privatfernsehen zu Gesicht bekommt. Selbst die Darsteller könnten der Sendung Mitten im Leben entsprungen sein.

Die Serie dreht sich um drei Brüder, die gemeinsam ein Bestattungsunternehmen übernommen haben und nun versuchen – mehr oder weniger glücklos – den ersten Auftrag so gut wie möglich zu erledigen. Wenn es dann beim ersten Abtransport heißt: „Wir müssen die Leichenstarre lösen.“, im Hintergrund „Wake me up“ von Avicii läuft und sich dann ein Bruder allein mit der Leiche abmüht, während der andere sich übergeben muss, hat das schon Witz. Witz den man sonst nur unfreiwillig aus den üblichen Scripted Realitys kennt. Und das genau ist für mich der Knackpunkt. Wenn man nicht wüsste, dass es eine Parodie ist, würde es traurigerweise nicht einmal auffallen. Wird sich auf der einen Seite über niveauloses Fernsehen beschwert, reicht man hier etwas auf gleichem Niveau nach. Und ob nun ein Laiendarsteller Spaghetti auf seinem Bauch serviert oder seine Freundin in einem Sarg einsperrt, macht für mich keinen all zu großen Unterschied.

Hi-Hi-History!

Das wohl – für mich – langweiligste Sendeformat des diesjährigen TVlabs ist Hi-Hi-History!, eine Sketch-Comedy, die sich über die großen Ereignisse der Weltgeschichte lustig macht. Meist in Form von TV-Sendungen, die zu jener Zeit spielen, wie etwa Extremst schön! mit Jesus, der sein Äußeres verändern will, oder der Talkshow Lanzelot mit Anspielung auf Markus Lanz. Leider fängt der biedere Charme der Sendung schon beim gruselig intonierten und noch schräger gesungenen Intro der Sendung an. Dazu kommt das sehr kleine Ensemble von zwei Darstellern, die sich selbst vor und hinter den Kulissen spielen und eher einem Theaterstück als einer TV-Sendung entsprungen zu sein scheinen. Alles fühlt sich an wie eine Mischung aus Switch und einer 90er Jahre Sektch-Comedy in den Dritten-Programmen. Wenn dann zum Schluss auch noch ein bedrückend inszenierter Suizid als Comedy verkauft wird, hat diese Sendung für mich nichts im heutigen TV zu suchen.

Der Richter in Dir

Eine Sendung, die durchaus eine spannende Grundidee hat, aber durch seinen Gastgeber einiges an Sympathie verliert, ist für mich Der Richter in Dir mit Michel Friedmann.

Im Grunde geht es darum, dass eine Gruppe von Zuschauern einen echten Mordfall präsentiert bekommt. Erst aus Sicht der Staatsanwaltschaft, dann aus Sicht des Verteidigers. Jedes mal müssen sie per Abstimmung mitteilen, welches Strafmaß sie für angemessen halten. Am Ende erfahren sie das tatsächliche Urteil.

Insgesamt also ein tolles Experiment, um zu zeigen, wie leicht wir uns beeinflussen lassen und wie sich eine Meinung ändern kann, wenn man mehr Details über ein Thema weiß. Im Gegensatz zu Die Weisheit der Vielen oder Die Zuschauer, kann hier aber auch der einzelnen Zuschauer zu Wort kommen und seine Meinung ausführlich der Runde schildern.

Das ist alles auch prima und tatsächlich, bis zu einem gewissen Punkt, auch informativ. Was mich nur an der Sendung stört ist Michel Friedmann. Man kann ihn für sein Redetalent lieben oder hassen. Er bringt definitiv Schwung in die Sendung, polarisiert und verkauft die Sichtweisen äußerst gut. Doch womit ich überhaupt nicht klar komme ist die süffisante, manchmal schon fast belehrend-arrogante Art, mit der er auftritt und die ich – beim besten Willen – einfach nur anstrengend finde.

Tohuwabohu

Zwei „Promis“ müssen ein Wochenende auf fünf Kinder aufpassen. Soweit die Grundidee von Tohuwabohu. Dass diese „Promis“ dann Jeanette Biedermann und Ross Anthony sind, welche die Kinder teilweise nicht einmal kennen („Wer sind denn Sie?“) und alles was sie mit den Kindern unternehmen schon von der Redaktion vorher geplant ist, macht alles noch viel langweiliger, als es ohnehin schon klingt.

Während Jeanette Biedermann mit der Gruppe ein Floß baut und Geocachen geht, darf Ross Anthony mit ihnen in den Klettergarten und sich von einem Haus abseilen. Am Ende des Tages sollen die Kinder entscheiden, wer das besser gemacht hat. Dass es völlig unterschiedliche Situationen sind und es da eigentlich nichts zu vergleichen gibt, sei mal außer Acht gelassen. Zum Ende gibt es dann noch eine kleine Moralkeule: Die Kinder sollen sich einmal zwischen gegrilltem Fleisch und gegrilltem Tofu und Gemüse entscheiden, ein anderes Mal zwischen einem Obstsalat und Süßigkeiten. Ein Mittelweg aus beidem wird gar nicht erst in Betracht gezogen und natürlich das böse Fleisch und die bösen Süßigkeiten verteufelt. Ausgewogene Ernährung? Fehlanzeige.

Alles in allem finde ich die Sendung selbst für den Kinderkanal zu banal und auch für ZDFneo wäre sie nicht mehr als ein Pausenfüller am Nachmittag.

Die Blender

Die Blender (Foto: ZDF /Ekkehard Wetzel)Ein Format, das offenbar noch vom letzten Jahr übriggeblieben ist, sind Die Blender. Eine lieblose Variante einer Sendung, die es ohnehin schon mehrfach im deutschen Fernsehen gab. Es geht darum, dass sich zwei Menschen einen ihnen fremden Beruf ausüben müssen. Während man sowohl bei RTL, als auch beim WDR, jeweils ganz normale Menschen über ein paar Wochen an einen normalen Beruf herangeführt hat und diese danach in ihrer neuen Position nicht auffliegen durften, sind es bei der ZDFneo-Variante lediglich zwei junge Comedians, die einfach mal prollig und völlig dämlich durch die Straße ziehen.

Tahnee Shcaffarczyk gibt sich dafür als IT-Girl aus und zieht mit Limousine und Bodyguards durch die Innenstadt, während sich Bastian Bielendorfer als vermeintlicher Künstler profiliert und in Hurtz-Manier seine Kunstwerke vor einem Galeriepublikum präsentiert. Ob sie damit nun auffliegen oder nicht? Egal! Hauptsache, sie können sich später im Off-Kommentar schön selbst darüber amüsieren.

Man kann der Sendung sicher den ein oder anderen witzigen Moment abgewinnen, aber ohne anlernen, einfach nur zu tun als sei man berühmt, ist aus meiner Sicht keine Herausforderung. Was hätten die beiden als Bäcker oder Sternekoch gemacht? Dann wären sie nach fünf Minuten aufgeflogen und die Sendung wäre vorbei. Rosige Aussichten für eine eventuelle Fortsetzung. Echte „Blender“ sehen anders aus …

 

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