re:publica 13: Hilfe, ich bin ein Nerd!

09. Mai 2013 | 02:12 | internet | 0 Kommentare

re:publica 13 (Foto: Frank Krause, Logo: re:publica)Berlin. Sonne. Nerds? So kann man als Außenstehender eigentlich recht gut die diesjährige re:publica zusammenfassen. Doch wenn man sich zu eben jenen Nerds zählt steckt noch viel mehr dahinter. Die deutsche Online-Szene kommt zusammen, um sich selbst zu feiern und auszutauschen. Ganz klar ist mir das noch nicht, aber aus irgendeinem Grund zog es mich deshalb dieses Jahr auch nach Berlin.

Vom Blog in die Realität

Ist man online aktiv und interessiert sich für Netzpolitik, gilt es – ähnlich den Muslimen mit ihrer Kaaba – wenigstens ein Mal die re:publica zu besuchen. Angekündigt als DAS Klassentreffen der Blogger-Szene und beim Überfliegen der präsentierten Themen auch für mich der ausschlaggebende Grund das erste Mal nach Berlin zu pilgern.
Einmal auf dem Gelände der STATION Berlin angekommen, war ich dann auch erst einmal überfordert (und vermutete aufgrund der vielen Jutebeutel erst einmal eine Hipster-Convention). Eine lange Schlange, sieben Hauptbühnen und jeweils vier Workshops – meist parallel – sind erst einmal ein Pfund, das es zu bewältigen gilt. OpenData, Barrierefreiheit, Crowdsourcing oder doch irgendwas über Facebook und Youtube? Die Breite der Themen ist groß, die Entscheidung umso schwerer.
Trotzdem habe ich es dann geschafft mich am ersten Tag für acht Veranstaltungen und Vorträge zu entscheiden die dann mal mehr, mal weniger spannend waren. Vieles hatte ich ohnehin schon einmal gehört und doch will ich mir eine Bestätigung einholen und zwischendurch den ein oder anderen neuen Fakt aufschnappen.
Ohnehin bilden die Vorträge nur die Basis, viel mehr freute ich mich bekannte Gesichter live zu sehen. Seien es Nils Bokelberg, Stefan Niggemeier oder auch ein Christoph Krachten und ja, auch Renate Künast ist direkt an mir vorbeigelaufen … ähh, toll!

„Das wäre ein Film gewesen – geht leider auch nicht.“

So hat Horst Zuse, der Sohn vom Computererfinder Konrad Zuse, einen beinahe schon zu kurzen Vortrag über das Schaffen seines Vaters gehalten. Eigentlich sollte es um die Geschichte des Computers gehen, daraus wurde aber eine Aneinanderreihung von Anekdoten über seinen weltberühmten Vater und ihn selbst. Das hatte Charme, so dass die halbe Stunde Programm – die hierfür eingeplant war – wie im Flug verging. Als dann noch die allgegenwärtigen Macs der Veranstalter streikten und seine Präsentation nicht so darstellen konnten, wie er es geplant hatte, konnte er sich einige Spitzen nicht verkneifen. Aber das ist einfach ehrlich und jeder Besucher konnte es wohl nachvollziehen.

Sascha Lobo auf der re:publica 13 (Foto: Frank Krause)Überhaupt zogen sich immer wieder kleine Probleme mit den bereitstehenden Macs durch das ganze Programm. Selbst beim großen Abschlussvortrag von Sascha Lobo am Montag Abend musste der Präsentations-Mac mittendrin neugestartet werden. Ob nun geplant oder nicht, sei einmal dahingestellt.

Doch negativ würde ich das alles nicht werten. In der sonst so perfekt durchgeplanten und organisierten Veranstaltung behielt sich alles gerade wegen solcher Patzer einen Hauch Unperfektheit und damit Menschlichkeit. Zumal jeder kleine Aussetzer bei der Technik wenigstens zu einem Lacher im Publikum führte. Einzig der teils viel zu straff gespannte Zeitplan machte dem Nerdtum einen Strich durch die Rechnung. Selbst in einer Stunde kann man eben nicht jeden Aspekt eines Themas gut genug beleuchten.

Dafür gab es dann die Pausen, um ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Durch einen spontanen Tweet kam ich so zum Beispiel mit Christian Bollert ins Gespräch – den Chef vom Internet-Radio detektor.fm.

Der zweite Tag war für mich etwas weniger Spannend, die Themen durchwachsener und einige Vorträge etwa von Daimler-Mitarbeitern oder dem über die Online-Aktivitäten des SWR wirkten in Teilen eher wie Werbung. Mein finaler Vortrag (bevor es wieder in die Heimat ging) zum Thema Social Media Recht entschädigte dann aber für alles und war noch einmal ein richtiges Highlight. Thorsten Feldmann und Henning Krieg brachten mit Humor und Leichtigkeit schwierige Rechtsfragen auf ein Level, das jeder versteht. Trotz Überlänge aber immer noch viel, viel zu kurz.

Das W-LAHM

Neben all den beiläufigen Kritikpunkten, die eigentlich eher positiv zu werten sind, gab es trotzdem ein paar Dinge, die mir übel aufstießen. Da wäre zum Beispiel das W-LAN vor Ort, das in weiten Teilen kaum zu brauchen war. Nun ist das sicher auch Systembedingt schwierig so viele gleichzeitige Verbindungen zu verwalten, doch gerade auf solch einer Veranstaltung sollte dringend an einer Optimierung gearbeitet werden. Schließlich waren Handy oder Tablet in der Hand schon fast ein Pflicht Accessoir für jeden Kongressbesucher.
Die Workshops wiederum fanden alle in einer großen gemeinsamen Halle statt, das führte mitunter dazu, dass ich bei einer Veranstaltung so gut wie gar nichts verstehen konnte, einfach weil sich zwei gleichzeitig stattfindende Programmpunkte akustisch gegenseitig übertönten. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern schlichtweg schade, wenn gut aufbereitetes Wissen dann kaum jemanden erreicht.

Doch was ist mein Fazit? Leider konnte ich nicht noch den dritten Tag miterleben, doch schon allein Montag und Dienstag haben Lust auf mehr gemacht, Lust auf mehr Themen, Lust auf mehr Austausch und – interessanterweise – irgendwie auch Lust auf Berlin. Sollte ich es nächstes Jahr wieder schaffen, dann bestimmt mit einer großen Vorfreude und dem hehren Ziel mit noch viel mehr Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen. Ob’s klappt? 2014 wissen wir mehr!

Die zentrale Halle der re:publica 13 (Foto: Frank Krause)

 

Keine Kommentare »

No comments yet.

RSS feed for comments on this post. | TrackBack URL

Leave a comment