Das TVLab 2012 auf ZDFneo

27. August 2012 | 00:40 | fernsehen | 3 Kommentare

Das TVlab auf ZDFneo (Foto: Frank Krause / ZDFneo)Sieben neue Formate in sieben Tagen. Wie schon im vergangenen Jahr experimentiert ZDFneo auch 2012 wieder in seinem TVLab. Seit dem 25. August buhlt täglich eine neue Sendung um die Gunst der Zuschauer. Vom Sex-Magazin Heiß & Fettig bis zur Cartoon-Serie Deutsches Fleisch ist auch dieses Mal wieder eine große Genrevielfalt gegeben. Außerdem starten in diesem Jahr nur sieben, statt zehn neuen Formaten. Ob das zwangsläufig auch mehr Qualität bedeutet? Ich bin mir unsicher.

Erneut habe ich mich an den Formatmarathon gewagt und das TVLab am Stück geschaut. Nach dem fulminanten Debüt im vergangenen Jahr war ich total gespannt, was das ZDF wohl dieses Mal zu servieren hat. Doch die Euphorie vom letzten Jahr war schnell verflogen. Das mag auch daran liegen, dass ZDFneo selbst auf Facebook und Twitter deutlich weniger die Werbetrommel rührt, dass die Webseite zum Event diesmal ständig Fehler produziert – oder sind es gar die gezeigten Sendungen?

Nach dem Erfolg im letzten Jahr wurde viel versprochen. Der damalige Programmdirektor und jetzige Intendant Thomas Bellut sprach von einem deutschen Two and a Half Men und dass er das Prozedere dieses Jahr im Hauptprogramm erproben wolle. Hat da etwa auch ihn der Mut verlassen?

Eines vorweg: Die Sendungen sind nicht durchweg schlecht, doch fehlt ihnen meiner Meinung nach das Frische, das Neue. Vieles wirkt wie schon einmal gesehen oder einfach wieder zu öffentlich-rechtlich. Doch nun endlich zu den einzelnen Sendungen.

Sieh’s mal wie ein Promi

Den Anfang machte Sieh’s mal wie ein Promi. Ein – zu Beginn noch unbekannter – Prominenter Gast bekommt einen Tag lang einen Brille mit eingebauter Kamera aufgesetzt und filmt damit selbstständig seinen Alltag. Klingt erst einmal nicht verkehrt. So hat damals schon Benjamin von Stuckrad-Barre in seiner Sendung mit Thilo Sarrazin ein ähnliches Experiment gewagt. Er hat seinem Gast eine Einweg-Kamera in die Hand gedrückt. Vor der Sendung sollte dieser Fotos von seinem Alltag machen. Im Studio wurde dann ausgewertet. Leider stützt sich in dieser Neuauflage eine komplette Sendung auf diese Idee. Das funktioniert, trotz einer sehr unterhaltsamen Annette Frier, nicht so recht. Das mag an der schlechten Bildqualität der Kamera liegen (beim Fußballspiel wurde mir fast schlecht), an der Belanglosigkeit der Themen oder schlicht daran, dass man als Zuschauer das Gefühl nicht los wird, es sei nicht alles authentisch. Denn natürlich filmt sich Annette Frier nicht nur selbst. Sie hat ständig ein komplettes Fernsehteam im Nacken. Unterbrochen werden die Ausschnitte durch Gesprächen im Studio, die das Geschehen einordnen sollen. Das Desinteresse am Gast ist darin allerdings kaum zu übertrumpfen. Fragen die in die Tiefe gehen? Fehlanzeige.

Heiß und Fettig

Weiter geht es mit dem Sex-Magazin Heiß und Fettig. Nach dem Boom der Erotik-Sendungen in den 90ern, war es lange Zeit ruhig um dieses Genre. Liebe Sünde, Peep! oder Wa(h)re Liebe sind fast vergessen. Doch von Heiß und Fettig war ich positiv überrascht. Mit Themen wie „MILF“ und „Dumm fickt gut“, spricht es eine junge Zielgruppe an und wirkt dabei überhaupt nicht bieder. Verknüpft werden die einzelnen Beiträge durch einen Talk in einer Imbissbude. Die beiden Moderatoren Ulrike Schreiber und Jan Köppen unterhalten sich mit Gast Percival (aus The Voice of Germany) über sein und ihr Sexualleben und leiten geschickt zu den einzelnen Themen über. Im Prinzip ist die Sendung eine dynamischere und monothematische Variante von Klub Konkret. Auf jeden Fall aber ist es mein klarer Favorit.

Der Protagonist

Auf meinem persönlichen Platz zwei folgt dann auch gleich das nächste Format von und mit Jörg Thadeusz: Der Protagonist. Ein eins-zu-eins Gespräch zwischen ihm und einem mehr oder weniger bekannten Gast. Soweit noch nichts Besonderes, außer dass beide Personen nicht denselben Raum teilen. Stattdessen blicken beide direkt in eine Kamera, vor der sie – ähnlich einer Skype-Schalte – ihr Gegenüber sehen. Das macht es für beide Personen unpersönlicher, doch wenn Geldfälscher Hans-Jürgen Kuhl direkt in die Kamera blickt, während er seine Geschichte erzählt, fühlt man sich als Zuschauer umso mehr in das Gespräch hineingezogen. Einzig, dass bei Fragen von Jörg Thadeusz der hallige Raum die Intimität bricht, stieß mir negativ auf.

Beef Brothers

Die nächste Sendung nennt sich Beef Brothers. Schon der Name kann nicht verraten, was dahinter steckt. Aber auch ZDFneo selbst tut sich mit der Einordnung in das Genre Food-Adventure keinen großen Gefallen. Grundgedanke ist, dass drei Köche in malerische Kulisse fahren, dort zwei Tage verbringen und nebenbei kochen. Was auf den ersten Blick vielleicht noch wie Jamie’s Great Italian Escape klingt, entpuppt sich beim Schauen als eine Mischung aus mieser Seifenoper und Lebensmittelverschwendung. Sind die anfänglichen Bilder von Alpen und Almhütte noch schön, fängt die Sendung nach den ersten Gesprächen schon an albern zu werden. Ein Koch häutet ein Reh, ein anderer geht in die Sauna, der Dritte legt sich auf eine Bank und schläft – und macht die restliche Sendung über eigentlich nichts anderes. Meine erste Idee war, dass es um bewusste Ernährung gehen soll. Ein Reh wurde frisch geschlachtet und verarbeitet. Doch warum muss man dann am selben Abend noch Fische räuchern und teures Rindfleisch – das offenbar aus dem Nichts kommt – im Salzmantel backen? Noch dazu sieht man von der eigentlichen Zubereitung nicht viel und auch schnödes Tomatenmark aus der Tube findet irgendwie seinen Weg in die Wildnis. Definitiv eine Sendung auf die man verzichten kann.

Kampfansage

Aber Hallo – Die Frank Elstner Show war wohl die Vorlage für Kampfansage. Eine Sendung, die das ZDF höchstselbst produziert hat. Fünf Menschen treten, in selbstgewählten und teils abstrusen Disziplinen, gegen je einen Herausforderer an. Was von früher fehlt sind Studio, große Preise und das Finalspiel. Dafür kann sich der jeweilige Sieger – kein Scherz – über ein Käsebrot freuen. Wirklich originell oder fesselnd wirkte die Sendung nicht. Allerdings befürchte ich, dass sie auf jeden Fall fortgesetzt wird. Als mauer Ersatz für Iss oder quizz? langt Kampfansage nämlich alle Mal und günstig intern produziert wurde sie ja ohnehin schon.

Der Cartoon aus deutschen Landen. (Bild: ZDF / Ilja Schmuschkowitsch / Metamonkey VG)Deutsches Fleisch

Deutsches Fleisch heißt die erste Cartoon-Serie beim TVLab. Meine Erwartung war groß, die Umsetzung … so lala. Alles scheint ein riesiger Flash-Cartoon zu sein, die Animationen wirken hölzern, die Synchronisation ist lieblos. Dabei ist der Ansatz wirklich gut. Beim Zeichenstil und dem Streuen absurder Einspieler und Gedankensprünge lehnt man sich offenbar sehr stark an US-Cartoons wie Family Guy und American Dad an. Die Gesellschaftskritik wird auf Deutschland gerichtet und hat einige witzige Ansätze. Wirklich zünden wollen die Gags leider nicht. Das ist schade, doch da gefiel mir die Puppen-Comedy Ausgekuschelt vom letzten Jahr deutlich besser.

Wahr oder was?

Und auch das letzte Format Wahr oder was? bedient sich keiner originären Idee. Ein Pärchen muss bei sechs Personen einschätzen, ob die Geschichte über ein außergewöhnliches Hobby oder einen besonderen Job wahr oder falsch ist. Entschuldigung liebes ZDFneo, aber das kennt man schon aus Geld oder Liebe und Sag die Wahrheit im SWR. Hinzu kommt, dass die Kandidaten durch sechs mäßig ausgestattete und vor allem ausgeleuchtete Hotelzimmer geführt werden. Alles wirkt wie eine Produktion beim Studentenfernsehen.

Fazit

Die ganze Zeit frage ich mich, wo die vielen guten Ideen vom letzten Jahr geblieben sind. Fast jede Sendung ist ein Neu-Aufguss. Innovation sieht anders aus. Schade liebes ZDFneo, dass die Auswahl dieses Jahr nicht so rund ist, wie noch 2011. Trotz oder gerade deswegen solltet ihr aber an dieser Grundidee festhalten und weiter die Innovation im deutschen Fernsehen fördern. Ich jedenfalls werde auch 2013 wieder dabei sein und am besten alles wieder in einem Rutsch schauen.

 

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