Das Logo zum Jubiläum: 50 Jahre ZDF (Logo: ZDF / Corporate Design)
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50 Jahre ZDF: Das bessere Erste

Ursprünglich als erster bundesweiter Privatsender geplant, hatte das ZDF schon vor dem Sendestart mit viel Kritik und dem Titel Adenauer-Fernsehen zu kämpfen. Auch heute wird gern und viel über den Sender gelästert. Nicht zeitgemäß sei das Programm, mit 50 Jahren der Sender immer noch jünger als sein Publikum und vieles mehr. Doch meiner Meinung nach ist das ZDF weitaus mehr im Hier und Jetzt, als sein Ruf. Beim Fernsehdino ZDF tut sich etwas, zwar langsam doch trotzdem beständig.

Ich habe nicht viel mitbekommen vom alten ZDF der 60er bis 80er Jahre. Doch seit ich denken kann – und ein merkwürdig starkes Interesse für TV-Inhalte entwickelt habe – verbinde ich mit dem Sender positive Emotionen. Seien es Löwenzahn, die Die Knoff-Hoff-Show oder das bis heute innig geliebte Wetten, dass..?.

Fernsehen im Alter?

Der Sender hat viele Konstanten geschaffen, die meinen Fernsehalltag bis heute begleiten. Sei es das morgenmagazin, das auslandsjournal und irgendwie auch der Fernsehgarten. Doch offenbar sind genau diese ebenso dafür verantwortlich, dass das ZDF als Seniorensender wahrgenommen wird. Nicht ganz zu Unrecht: Mit Programmen, wie dem Traumschiff spricht man nicht unbedingt ein junges Publikum an. Aber muss man das auch immer? Trotzdem ist das ZDF für mich gleichermaßen einer der größten Innovationsmotoren, den wir aktuell im deutschen Fernsehen haben.

Aller Darsteller der Jubiläums-Sitcom Lerchenberg (Foto: ZDF / Jan Rasmus Voss)
Aller Darsteller der Jubiläums-Sitcom Lerchenberg (Foto: ZDF / Jan Rasmus Voss)

Während RTL ein ums andere Mal das nächste Coaching-Format oder billig produziertes Laientheater sendet und sich die ARD mit ihrem Ersten von einem großen Quiz der Belanglosigkeiten zum nächsten Talk mit den immer selben Gästen hangelt, wird beim ZDF einfach Tag und Nacht gekocht. Doch zwischendurch traut man sich dann auch mal was. So etwa die heute-show, Lerchenberg oder die Verpflichtung von Harald Lesch, der als Nachfolger von Joachim Bublath und in seiner eigenen Sendung Leschs Kosmos eine einfach großartige Figur macht. Auch alteingesessene Sendungen, wie das auslandsjournal oder das heute-journal wirken für mich in ihrer Aufmachung deutlich frischer, als man es etwa von anderen Sendern gewohnt ist. Das ganze OnAir-Design ist stimmig. Außerdem sind die Ausstrahlungstermine verlässlicher, als es etwa beim Ersten der Fall ist. Einzig die Einstellung von Abenteuer Wissen, kann ich dem ZDF bis heute nicht verzeihen. Einer Wissenssendung, die optisch, wie auch inhaltlich, ideal für ein junges Publikum war.
Natürlich sind die genannten Sendungen nur kleine Lichtblicke, die noch dazu zu oft am späten Abend oder in der Nacht versteckt werden und sich immer mehr die Frage nach dem Warum? stellt.
Dafür hat der Sender allerdings eine hervorragende Mediathek, mit der man sich das Programm perfekt seinem Sehverhalten anpassen kann.

Im Netz schon jetzt die Nummer 1

Das bringt mich auch zum nächsten Punkt: Online macht das ZDF eine gute und sympathische Figur. Nicht nur, dass es die Mediathek-App mittlerweile sogar für iPhone und Xbox gibt, auch auf Twitter leistet der Sender seit nun schon drei Jahren echt gute Fanarbeit und selbst auf Facebook und Google+ wird man hinreichend informiert. Sogar einen 24 Stunden Livestream aller Programme gibt es. Dass da die eigentliche Webseite etwas zu verspielt wirkt, ist schade, aber zu verkraften. Kein anderer der großen Sender tritt online so intensiv mit seinen Zuschauern in den Dialog und bietet ihm gleichzeitig so viele Möglichkeiten das Programm zu verfolgen.

Digital, statt auf die Dritten zu setzen

Interaktive Talkshow log in auf ZDFinfo (Logo: ZDF / Corporate Design)
Interaktive Talkshow log in auf ZDFinfo (Logo: ZDF / Corporate Design)

Sendungen wie ZDF log in schlagen dann sogar den Bogen zurück ins Programm. Hier werden Twitter und Facebook intensiv für den Dialog mit den Studiogästen genutzt. Diese Sendung läuft auf ZDFinfo. Einem von drei Digitalkanälen, die das ZDF zurzeit betreibt und für mich hauptsächlich von der ARD abhebt. Sie haben alle eine klare Ausrichtung und bieten, vor allem auf ZDFneo und ZDFkultur, eine riesige Spielfläche für Programmexperimente, die es hoffentlich auch irgendwann ins Hauptprogramm schaffen. Von neoParadise, über Roche und Böhmermann, bis zu Reportageformaten wie Wild Germany und dem TVlab gibt und gab es viel zu sehen, das vor allem die Netzgemeinde immer wieder befeuert. Da ist es schade, dass ZDFkultur eingestellt werden soll und der Donnerstag mittlerweile der einzige durchweg mit Eigenproduktionen bestückte Tag auf ZDFneo ist. Doch im Vergleich zu den dritten Programmen der ARD ist es immer noch ein konzentrierteres Ergebnis. Trotzdem sollte hier nicht am falschen Ende gespart werden. Denn auch wenn das Publikum immer älter wird, ist Innovation ein wichtiger Faktor, um für den Zuschauer attraktiv zu bleiben. Das bekommt vor allem RTL gerade deutlich zu spüren. Im letzten Jahr haben die Kölner wieder ihre Marktführerschaft beim Gesamtpublikum alleinig an das ZDF abgeben müssen.

Auf die nächsten 50 Jahre!

Sicher, nicht alles ist perfekt beim ZDF, mit 50 ist vieles festgefahren in Strukturen, die sich seit Jahrzehnten etabliert haben. Nichtsdestotrotz macht es für mich eine bessere Figur, als der große Bruder ARD, der sich viel zu oft im föderalen Machtpoker zu verlieren scheint und dann zu so grausigen Ergebnissen, wie Das Ernste kommt.
Aufgrund der Optik, der verlässlichen Sendezeiten und der soliden Informations- und Unterhaltungssendungen, ist das ZDF klar mein Erstes Programm unter den Öffentlich-Rechtlichen. In diesem Sinne: Happy Birthday Mainzelmännchen! Auf die nächsten 50 Jahre.

Über den Autor

Fernseh- & Internetnerd, Newsjunkie und nebenberuflicher Twitterer. Immer fasziniert von dem, was mit den Medien möglich ist - und enttäuscht davon, was sie dann tatsächlich tun. Frank Krause schreibt über die Licht- und Schattenseiten eines Business, das ihn seit seiner Jugend unendlich fasziniert.

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