Um die Ecke gedacht auf dem Facebook-Campus (Foto: Matt Harnack / Facebook)
Um die Ecke gedacht auf dem Facebook-Campus (Foto: Matt Harnack / Facebook)

Der EdgeRank oder was Facebook vorm Nutzer versteckt

Facebook versteckt Beiträge und lässt manche Freunde und Seiten für den Nutzer quasi „unsichtbar“ erscheinen. In den letzten Wochen war kein Thema rund um das weltgrößte soziale Netzwerk so heiß diskutiert, wie dieses. Lange Zeit war klar: Mit wem auch immer ich befreundet oder dessen Fan ich bin, von dem erhalte ich auch alle aktuellen Informationen. Schließlich haben wir uns ja über ein soziales Netzwerk verknüpft, um einander nicht aus den Augen zu verlieren. Doch genau das ist heute, weder für die Nutzer, noch für Facebook selbst, eine einfache Aufgabe.

Betrachtet man allein die Zahl der Facebook-Nutzer seit 2004, wird klar, dass auch die Menge an Informationen, die jeder einzelne Nutzer bekommt, zwangsläufig immer mehr geworden ist. Schnell gefallen einem 10, 20 … 100 Fanseiten, die alle ebenfalls im Newsstream erscheinen möchten. Dazu ein einfaches Beispiel:

Entwicklung der Facbook-Nutzerzahl seit 2004 (Diagramm: Frank Krause, Daten: newsroom.fb.com)Wenn ich 300 Freunde habe, von denen vielleicht die Hälfte bis 18 Uhr arbeitet und 10% davon meinen, ihren Feierabend bei Facebook verkünden zu müssen. Dann hätte ich immer noch 15 Leute, die annähernd gleichzeitig eine Nachricht absetzen und die ersten 2-3 Seiten meines Newsstreams wären voll mit diesen, an sich belanglosen, Meldungen. Dazu haben vielleicht noch 15 von meinen 200 Fanseiten diese Zeit als optimale Posting-Zeit auserkoren und schon würde ich im Newsstream gänzlich die Übersicht verlieren.

Als Nutzer konnte ich bis vor einigen Jahren dann nur selbst festlegen, wessen Nachrichten ich lesen möchte und wer ausgeblendet werden soll. Auf Dauer ist das freilich keine Lösung, vor allem wenn die Zahl der Freunde in den drei- oder gar vierstelligen Bereich rutscht.
Facebook musste sich also etwas einfallen lassen und hat den sogenannten EdgeRank ins Leben gerufen. Dieser soll die für den Nutzer wichtigsten Meldungen herausfiltern und unwichtige Informationen verstecken. Zuerst fand dieser nur Anwendung bei den „Hauptmeldungen„, mittlerweile aber auch bei den „Neusten Meldungen„. Doch was steckt dahinter?

Was ist der EdgeRank

Der EdgeRank besteht aus drei Komponenten, die die Wahrscheinlichkeit bestimmen, mit der ein Beitrag in meinem Newsstream erscheint. Erstmals hat ihn Ari Steinberg auf der f8 Developer Conference 2011 erklärt.

Der Edgerank (Screenshot: f8 developer conference / Facebook)

Demnach spielt zum einen die Affinität, die ich zu einem „Freund“ oder Seite habe eine wichtige Rolle. Also wie oft besuche ich dessen Profil, wie oft interagiere ich per Kommentar (was mehr wert ist) oder per Like mit ihm, mit wie vielen verschiedenen Posts habe ich interagiert und wie oft interagieren meine anderen Freunde mit ihm.

Die nächste Komponente ist die Art des Posts. Ein Album oder ein Bild haben eine höhere Wahrscheinlichkeit in meinem Newsstream zu erscheinen, als etwa ein bloßer Link, eine Statusmeldung oder sogar ein Video.

Als letztes spielt natürlich auch das „Wann?“ eine Rolle. Wenn ich mich nur alle paar Tage einlogge, ist klar, dass ein drei Tage alter Post im Vergleich zu einem gerade eben veröffentlichten Post das Nachsehen hat und im Zweifel, auch nach dem Scrollen, nicht angezeigt wird.

Alles also ganz nachvollziehbare Kriterien, die sich Facebook – laut Steinberg – bei herkömmlichen Nachrichtenseiten abgeschaut hat. Was hier also durchaus vernünftig klingt, macht so manchem Facebook-Nutzer und vor allem Seitenbetreibern das Leben schwer.

„Ihr werdet nicht mehr alle unsere Beiträge sehen.“

Was bei all dem unklar bleibt, ist das Wichtigste überhaupt an diesem System, nämlich der Schwellwert dieser Summe, ab dem nun ein Post tatsächlich in meinem Newsstream erscheint. Genau das ist es, was aktuell viele Seitenbetreiber zur Verzweiflung bringt. Die Reichweite ihrer Posts sinkt seit September immer mehr. Das führt teilweise so weit, dass ich Beiträge von einzelnen Freunden und Seiten überhaupt nicht mehr in meinem Newsstream sehe, wodurch die o.g. Affinität natürlich noch mehr sinkt und diese drohen gänzlich in Vergessenheit zu geraten.

Alle Aktualisierungen eines Freundes anzeigen (Screenshot: Frank Krause / Facebook)Wo ich nun bei Freunden noch festlegen kann, dass „Alle Aktualisierungen“ angezeigt werden sollen (ob es wirklich alle sind, sei mal dahin gestellt), gibt es für Seiten keine vergleichbare Option, auch wenn einige Seiten per Kettennachricht anderes behaupten:

1. Auf unser Facebook-Profil gehen.
2. Oben rechts das kleine Zahnrad anklicken.
3. Dann auf „Zur Interessenliste hinzufügen“ klicken.
4. „Neue Liste“ (falls Ihr noch keine habt).

Diese Interessenslisten haben keine Auswirkung auf den Newsstream, sondern nur auf die Liste als solche. Sicher ist der Besuch auf der Seite, um die Liste anzulegen, schon eine Affinitäts-Aktion. Aber eben nur eine und mehr auch nicht.

Was tun, um den EdgeRank zu steigern?

Was bleibt ist den EdgeRank auf anderem Weg, als der Affinität, zu steigern. Da auch die zeitliche Komponente, bei geringer Affinität, schon kaum Einfluss zu haben scheint, kann man dies also nur über die Posts an sich und deren Relevanz erlangen. Das wiederum macht auch Sinn. Wenn sonst kein anderer mit einer Meldung interagiert, warum sollte sie dann ausgerechnet für mich interessant sein?

Als Seitenbetreiber muss ich demnach die Relevanz steigern. Das fängt beim Typ der Nachricht an: Bilder sind, wie bereits erwähnt, wertiger, als Links oder Texte. Natürlich kann man auch versuchen seine Nachricht von anderen Plattformen, wie Twitter oder dem Newsletter zu verlinken.
Das Wichtigste ist und bleibt allerdings der Inhalt. Wenn ich etwas schreibe, das meine Fans nicht interessiert, dann sinkt zwangsläufig auch der EdgeRank des Posts (und damit auch künftiger Posts derselben Quelle) ziemlich schnell.

Gesponserte Posts auf Facebook (Screenshot: Frank Krause / Facebook)Seit ein paar Monaten gibt es auch die Möglichkeit die Reichweite über sogenannte „Promoted Posts“ zu steigern – böse Zungen behaupten, genau deshalb wurde am EdgeRank geschraubt. Sicherlich bringt das kurzfristig Erfolg, die Reichweite steigt und vielleicht kommt der ein oder andere Fan sogar hinzu.

Ich selbst finde diese Möglichkeit jedoch teils sogar nervig, wenn dann eben doch Seiten in meinem Newsstream auftauchen, die zu Recht vergessen waren. Außerdem muss man dauerhaft echtes Geld investieren, um mit dieser Strategie Erfolg zu haben. Echte Relevanz durch Affinität wird dadurch nur kurz erzeugt. Wichtig bleibt eben doch der Inhalt dessen, was man postet. Zumindest, wenn man die Nutzer langfristig erreichen will.

Über den Autor

Fernseh- & Internetnerd, Newsjunkie und nebenberuflicher Twitterer. Immer fasziniert von dem, was mit den Medien möglich ist - und enttäuscht davon, was sie dann tatsächlich tun. Frank Krause schreibt über die Licht- und Schattenseiten eines Business, das ihn seit seiner Jugend unendlich fasziniert.

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