Das ICQ-Logo (Grafik: © 2003 by ICQ, Inc.)
Das ICQ-Logo (Grafik: © 2003 by ICQ, Inc.)

ICQ, I seek you no more.

Benutzt eigentlich noch jemand ICQ? Wie sieht es mit MSN oder Yahoo! Messenger aus? War es früher doch noch die erste Frage, wenn man jemand einigermaßen sympathisch fand, um in Kontakt zu bleiben: Wie ist deine ICQ-Nummer? ICQ war ein stetiger Begleiter bei meinen Online-Erkundungen, ob zu Hause oder in der Schule. Ich kann meine ICQ-Nummer bis heute auswendig, doch nutze ich es kaum noch. Warum eigentlich? Ein ganz persönliches Resumé.

Wenn ich mich an meine ersten vorsichtigen, und gleichwohl total neugierigen, Schritte im Internet erinnere, war das schon ein Riesending. So viele Informationen, so viele Bilder und Videos, die man einfach so frei Haus serviert zu bekam. Als dann noch die erste Mail-Adresse dazukam, fühlte ich mich einfach nur großartig. Die Möglichkeit mit theoretisch jedem Menschen auf der Welt zu kommunizieren, Fragen und Informationen auszutauschen, erschien mir einfach unglaublich. Ich war fasziniert.

Die Jahre zogen ins Land und dem Internet blieb stets der Reitz anhaften, noch nicht alles entdeckt, ergründet oder gefunden zu haben. Da war es doch ein tolles Ding, auch direkt auf diesem Wege mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Eine Software mit dem reichlich merkwürdigen Namen: I seek you (ICQ) schien – kurz nach der Jahrtausendwende – dafür genau das Richtige zu sein. Klein, schlank, an den rechten Bildschirmrand gequetscht, hatte ich alle Freunde, die ebenfalls abends online waren, im Blick. Ich konnte sie anschreiben, und freute mich über jedes „ah-oh“, das ICQ machte, sobald eine neue Nachricht eintraf.

Das Ganze wurde mehr und mehr zur Haupttätigkeit des Online-Seins. Ab und zu verabredete ich mich sogar mit Freunden für den Abend im ICQ. Warum sollte man sich auch treffen oder telefonieren, wenn man mit diesem Internet so viel schneller kommunizieren kann? Aber tatsächlich hatte das Chatten einige Vorteile. Keiner sieht oder hört, was man nebenbei macht. Man kann die Antworten in aller Ruhe ausformulieren und viel mehr Emotionen zeigen, als man sich vielleicht in einem wahrhaftigen Gespräch trauen würde. Schließlich sieht einen ja niemand.

So wurde ICQ, schon lange, bevor die Internet-Flatrate Einzug hielt, zum stetigen Begleiter. Und ich denke, nicht nur bei mir, sondern bei vielen meiner Freunde auch. Je häufiger ich online war desto mehr Leuten konnte ich schreiben, und desto ausführlicher wurden die virtuellen Gespräche, die geführt wurden.

Post für dich! (Screenshot: Frank Krause / studiVZ)Doch dann kam der Bruch. Einige nutzten andere Messenger, wie MSN, weil dort mehr Features geboten wurden. ICQ zog nach und wurde vom simplen Chat-Programm ebenso immer mehr zur Unterhaltungszentrale. Spiele, Sprachchat, immer mehr irrwitzige Smilies und Animationen. Die ersten wanderten ab. Und dann wurden auch die sozialen Netzwerke, allen voran StudiVZ, immer wichtiger. Man konnte sich auf die Pinnwand schreiben, oder gar private Nachrichten. Halt! Konnte man das nicht auch schon vorher? Per Mail, oder eben ICQ? Klar, doch war das nicht mehr cool genug. Eine Mail war nichts Besonderes, aber wie ich mich jedes Mal über das Brief-Symbol im StudiVZ freute – unglaublich.

Überhaupt buhlten immer mehr Dienste um meine Aufmerksamkeit und überall schrieb auch noch jemand. Das kann auf Dauer ganz schön nerven. Spätestens seitdem ich bei Facebook eine Rundumversorgung mit Informationen bekomme, hatte ICQ einen zunehmend schwereren Stand. Und das offensichtlich nicht nur bei mir. Freunde, mit denen man sonst täglich gechattet hatte, waren nun über Wochen gar nicht mehr neben der kleinen grünen Blume zu sehen.

Heute sind fast alle meine Freunde häufiger bei Facebook online als irgendwo sonst. Und auch ich bin zunehmenden nur noch dort anzutreffen. Ich vermisse den schlanken ICQ-Messenger von früher schon, bin gleichermaßen aber auf Facebook angewiesen, da fast jegliche Kommunikation hier stattfindet. Auf der einen Seite natürlich praktisch, alles beisammen und bei jedem Einloggen vor sich zu haben. Andererseits auch beängstigend, welche schiere Masse an Informationen Facebook dadurch von mir bekommt. Ob für alle sichtbar oder als eigentlich private Nachricht an bestimmte Freunde.

Ich glaube nicht einmal, dass diese Entwicklung etwas mit dem zunehmend schlechter werdenden Image von ICQ zutun hat. Auch die anderen einst großen Messenger nutzt in meinem Umfeld kaum noch jemand. Facebook hat einfach international eine unheimliche Marktmacht erlangt. Nutzte man früher in den verschiedenen Teilen der Erde, aber auch Altersgruppen jeweils andere Messenger, ist Facebook universell. Und so heißt es heute beim ersten sympathisieren mit dem Gegenüber: Bist du bei Facebook? Wie heißt du da?

The Like Sign (Foto: Facebook)
The Like Sign (Foto: Facebook)

Über den Autor

Fernseh- & Internetnerd, Newsjunkie und nebenberuflicher Twitterer. Immer fasziniert von dem, was mit den Medien möglich ist - und enttäuscht davon, was sie dann tatsächlich tun. Frank Krause schreibt über die Licht- und Schattenseiten eines Business, das ihn seit seiner Jugend unendlich fasziniert.

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